Home » Bioenergieregion » Aktuell » Energiewende vor Ort: Bundestagsabgeordnete im Dialog mit der Bioenergieregion Bayreuth


Themen:
Auswirkungen des EEG im ländlichen Raum
Fortsetzung der Bioenergieprojekte der Region Bayreuth

Bayreuth – Über die Umsetzung der Energiewende vor Ort informierten sich Dr. Nina Scheer, Ansprechpartnerin für Erneuerbare Energien und Umweltwirtschaft der SPD-Bundestagsfraktion und Ihre Fraktionskollegin Parlamentarische Staatssekretärin Anette Kramme am 30.9.2014 bei einem Besuch in der Bioenergieregion Bayreuth. In einem Dialog mit Experten der Bioenergieregion und der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth diskutierten die Abgeordneten die Auswírkungen des Erneuerbaren Energiegesetzes (EEG) auf die Bioenergieerzeugung vor Ort sowie die Initiativen der Bioenergieregion Bayreuth für eine umweltverträgliche Umsetzung der Energiewende.

 

EEG 2014 bremst Bioenergie aus

Das  EEG 2014  hat die Förderungen von Biogasanlagen stark reduziert, der weitere Ausbau der Bioenergie ist damit so gut wie zum Stillstand gekommen. Vielerorts - auch in der Region Bayreuth - ist es bereits zu Kündigungen aufgrund der schlechten Auftragslage gekommen.Daher kommt das neue EEG auch im Kreis der 21 deutschen Bioenergie-Modellregionen, zu denen auch die Region Bayreuth zählt, nicht gut an. Eine in dieser Woche veröffentlichte Umfrage des nova-Institutes unter den Bioenergieregionen ergab ein dramatisches Ergebnis: Alle befragten Regionen schätzen die Auswirkungen des EEG auf die Strategien der Regionen zur Steigerung der regionalen Wertschöpfung als negativ (80 Prozent der Befragten) bis „sehr negativ“ (20 Prozent) ein.  „Gerade Strom aus Bioenergie ist aber“, so Regionalmanager Bernd Rothammel, "besonders wichtig für die Energiewende, weil er anders als Wind- und Solarstrom unabhängig von der Witterung rund um die Uhr produziert werden kann“.

Dass man sich davon in der Region Bayreuth dennoch nicht entmutigen lässt, davon konnten sich die beiden Parlamentarierinnen bei einem Vortrag zu den Projekten der Bioenergieregion und einem anschließenden Rundgang durch das neu angelegte Energiepflanzen-Infozentrum auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten überzeugen.

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Auf besonderes Interesse stieß das Projekt zur Förderung umweltverträglicher Energiepflanzen, deren Vielfalt das Bayreuther Energiepflanzen-Infozentrum zeigt. von links: Dr. Volker Höltkemeyer (Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth), Dr. Nina Scheer MdB, Anette Kramme (Parlamentarische Staatssekretärin), Bernd Rothammel (Bioenergieregion Bayreuth), Matthias Hartmann (Leiter des Energiepflanzeninfozentrums Bayreuth)


Auf besonderes Interesse stießen bei den beiden Parlamentarierinnen neben den in der Region Bayreuth praktizierten Projekten  zur Steigerung der Effizienz der Bioenergieerzeugung vor allem die Anbauversuche, die in der Bioenergieregion mit ökologisch vorteilhaften Energiepflanzen-Dauerkulturen angestellt werden. Dauerkulturen sind mittlerweile sowohl vom Energieertrag als auch wirtschaftlich konkurrenzfähig mit Mais, der am weitesten verbreiteten Energiepflanze. Im Vergleich zu Mais weisen Dauerkulturen jedoch zahlreiche ökologische Vorteile auf (mehr dazu hier).

 

Rund eine Milliarde Ausgaben für Energie

Die erneuerbaren Energien bieten neben den positiven Umweltaspekten auch eine große Chance zur Steigerung der regi­onalen Wertschöpfung – gerade im ländlichen Raum: Allein die Privathaushalte in Stadt und Landkreis Bayreuth geben jährlich über 260 Millionen Euro für Strom, Wärme und Kraftstoffe  aus, die zum größten Teil (247 Mio.) in die Region importiert werden müssen. Je mehr Energie künftig in der Region selbst erzeugt wird, umso höher ist der Anteil der 247 Millionen Euro, der in der Region gehalten werden kann. Da die Privathaushalte nur rund ein Viertel des Energieverbrauches ausmachen, kann davon ausgegangen werden, dass in Stadt und Landkreis Bayreuth insgesamt ca. eine Milliarde Euro jährlich für Energiekosten anfallen.

Dies zeigt, welche enorme wirtschaftliche Chancen  Energieeinsparmaßnahmen und die Erzeugung regenerativer Energien für die Region Bayreuth bieten. Hinzu kommen indirekte Wertschöpfungseffekte bei Firmen, welche Um­sätze durch Anlagenbau und -wartung erzielen, sowie über Steuereinnahmen der Kommu­nen. Da von steigenden Preisen für fossile Energieträger auszugehen ist, wird sich dieser Wertschöpfungseffekt in den nächsten Jahren noch deutlich erhöhen.


Zukunft der Bioenergieregionen: Abgeordnete sichern Unterstützung zu

Seit 2009 werden die 21 Bioenergie-Modellregionen mit Fördermitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums bei ihrer Arbeit unterstützt. In der Region Bayreuth konnten beispielsweise ein effizientes Netzwerkmanagement aufgebaut, umfang­reiche Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit durchgeführt und zahlreiche innovative Pro­jekte zum umweltverträglichen Ausbau der Bioenergie, zur Steigerung der Wertschöpfung sowie zur Verbesserung der Information vorangebracht werden. Die Region Bayreuth hat sich damit überregi­onal einen Namen als Bioenergie-Kompetenzregion gemacht. Rund eine Million Euro an überregionalen Förder- und Drittmitteln wurden insgesamt in sechs Jahren in die Region geholt.

Die Förderung der Bioenergieregion durch das Bundeslandwirtschaftsministerium endet jedoch am 31. Juli 2015. Ob und wie das Projekt ohne Fördermittel oder mit Zuschüssen aus anderen Fördertöpfen fortgesetzt werden kann, wird im Herbst in den zuständigen Gremien von Stadt und Landkreis Bayreuth entschieden. Am 15.10.2014 wird das Thema im Kreisausschuss und am 3.11.2014 im städtischen Umweltausschuss beraten.

Die Abgeordneten sicherten der Region Bayreuth ihre Unterstützung bei der Fortführung des Projektes Bioenergieregion zu.