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Exkursion zu Becherpflanzen-Feldern


Rund 30 Landwirte und Energiepflanzen-Experten besichtigten am 14.7.2015 verschiedene Becherpflanzen-Anbauflächen in Nordost-Oberfranken.

Die Becherpflanze (Silphium perfoliatum) gilt unter Experten als Hoffnungsträgerin für einen umweltverträglichen Energiepflanzenanbau. Sie ist wenig erosionsgefährdet, trägt zur Humusbildung bei, schützt das Grundwasser und wird nicht von Wildschweinen verbissen. Die Infofahrt bot Gelegenheit, einige „Pioniere“ des Energiepflanzenanbaus  kennenzulernen und sich einen unmittelbaren persönlichen Eindruck vom Anbau dieser umweltverträglichen Dauerkultur zu verschaffen.   Während der Exkursion standen  außer den Landwirten weitere Experten der Ämter für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Bayreuth und Münchberg, von der Universität Bayreuth, der Thüringischen Landesanstalt für Landwirtschaft, der Firma Chrestensen Erfurt und der Geoteam Gesellschaft für angewandte Ökologie und Umweltschutz mbH für Fragen und Informationen zur Verfügung.

Die Informationsfahrt wurde von der Bioenergieregion Bayreuth in Kooperation mit der Geoteam Gesellschaft für angewandte Ökologie und Umweltschutz mbH veranstaltet. ​​​​

Station 1: Anbaufläche von Landwirt Bernd Dietel, bei Münchberg

Die Initiative zur Anlage dieser Anbaufläche ging von dem örtlichen Jägern aus, die sich von der Becherpflanze eine Lösung der Wildschweinproblematik erhofften. Bewusst wurde daher eine Fläche gewählt, die an drei Seiten von Wald umgeben und einem hohen Wildschweindruck ausgesetzt ist.
Exkursion-Becherpflanze-2015_Dietel

Um es vorweg zu nehmen. Die Maßnahme war erfolgreich. Zwar nutzen Wildschweine den dichten Becherpflanzenbestand als Deckung, aber es gibt keine Verbissschäden mehr. Und auch die Ernteerträge sind erfreulich.

Der Bestand steht jetzt vor der 4. Ernte und wurde mit 4 Pflanzen / qm angelegt, was sich im Nachhinein als etwas zu dicht erwies. Optimal sind nach Ansicht von Bernd Dietel eher 2 bis 3 Pflanzen pro Quadratmeter, da die Dichte des Bestandes von alleine jedes Jahr zunimmt.

Der perfekte Erntezeitraum sei noch nicht gefunden, so Dietel. Es laufe aber darauf hinaus, den Bestand noch vor der Maisernte zu häckseln, da dann optimale Erträge zu erwarten seien.

An diesem Standort gibt es gewisse Probleme mit Klette und Windhalm, welche die Ernte mit dem Häcksler erschweren können, wenn nicht der richtige Häcksler ausgewählt werde.

Während der Blütezeit ist das Becherpflanzenfeld von nektarsuchenden Bienen und Hummeln umschwärmt, was die an der Infofahrt teilnehmenden Imker mit Freude zur Kenntnis nahmen.

Station 2: Versuchsfläche des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Münchberg und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Markersreuth

In Markersreuth gibt es zwei Becherpflanzen Versuchsflächen, einmal wurde die Kultur gepflanzt und einmal ausgesät.

Erntedaten liegen bislang nur von der Pflanzfläche vor. Hier lagen die Trockenmasserträge in den Jahren 2013 und 2014 bei 169 bzw. 158 dt/ha. Die Nährstoffversorgung orientierte sich dabei an dem im Maisanbau üblichen Düngergaben. Als Optimaler Erntezeitpunkt wurde Mitte September empfohlen.
Exkursion-Becherpflanze-2015_Markersreuth

Lehrgeld hat man dagegen auf der Aussaatfläche gezahlt. Die Aussaat mit dem Rübensägerät hat nicht funktioniert, danach wurde das Saatgut ausgestreut, gestriegelt und eingewalzt. Jürgen Seidel vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Münchberg ist vom aktuellen Ergebnis nicht überzeugt. An der Exkursion teilnehmende Experten von der Erfurter Saatgutfirma Chrestensen und der Thüringischen Landesanstalt für Landwirtschaft rieten allerdings zu Geduld. Der Erfolg könne sich durchaus in den nächsten Jahren noch einstellen. Denn die Becherpflanze sei in der Lage, aktuelle Bestandeslücken noch zu schließen.

3. Station: Anbaufläche von Siegfried Gewinner, bei Arzberg

Siegfried Gewinner würde jederzeit wieder die Becherpflanze anbauen, er denkt aktuell über eine Vergrößerung seiner Anbaufläche nach.

Exkursion-Becherpflanze-2015_Gewinner
Auch aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen steht sein Bestand sehr gut da. Kleinere Probleme gebe es auch beim ihm mit Klette und Windhalm, aber das halte sich insgesamt im Rahmen. Auch Siegfried Gewinner würde nicht mehr so dicht anpflanzen und bestätigt damit die Erfahrungen von Landwirt Bernd Dietel (Station 1).

Station 4: Anbaufläche von Horst Küspert bei Bad Alexandersbad

Auch diese, im Jahr 2011 angelegte Fläche liegt direkt am Waldrand und weist dennoch keine nennenswerten Wildschweinschäden auf, obwohl die Schwarzkittel den Bestand durchaus als Deckung nutzen.
Exkursion-Becherpflanze-2015_Kuespert
Horst Küspert, dessen Sohn über seine Meisterarbeit im Fach Landwirtschaft über die Becherpflanze anfertigte, würde jederzeit wieder ein Becherpflanzenfeld anlegen. Als Biogasanlagenbetreiber konnte er von Methanerträgen berichten, die in der Höhe derer des Mais liegen. Ganz besonders liegt ihm jedoch der Schutz der Ackerkrume am Herzen: "Humus ist unser Kapital, und die Becherpflanze schützt den Boden vor Erosion!" Und er gabe den Teilnehmern der Exkursion noch zwei wichtige Praxistipps mit auf den Weg: Aufgrund ihres tiefgründigen Wurzelsystems könne die Becherpflanze bestehende Drainagen schädigen. Es sei daher die Anbaufläche mit Bedacht zu wählen. Und zur Ernte gab er folgende Empfehlung: Wenn es zu Lagerungen im Bestand gekommen ist, habe sich bei ihm da ein Häckslergebiss der Firma Krone am besten bewährt.

Auch Küspert wiederholt den Rat von Gewinner und Dietel: Nicht zu dicht pflanzen! Dies bestätigen auch die Anbauempfehlungen der Bioenergieregion Bayreuth, die von 2 Pflanzen /qm ausgehen. Dadurch lassen sich auch die Pflanzkosten deutlich senken.

Weitere Informationen

Dr. Christoph Hartmann, (Geoteam GmbH), der die Infofahrt im Auftrag der Bioenergieregion organisierte, teilte an die Teilnehmer eine Entwurfsfassung der überarbeiteten Anbauempfehlungen aus, damit die Praktiker gegebenfalls noch Ergänzungen anmerken können, bevor die Empfehlungen in Druck gehen. Hartmann hat auch ein Positionspapier erarbeitet, das zum Ziel hat, die Becherpflanze in das so genannte Greening Programm der EU aufzunehmen, womit sich - das war übereinstimmende Meinung der Experten - die Anbaufläche schnell erhöhen ließe.