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Workshop zu Biowärmenetzen und zur Zukunft der Bioenergie-Regionen

Bayreuth – Drei Tage lang stand Bayreuth im Oktober ganz im Zeichen der Bioenergie: Fünfzig Experten aus den 21 deutschen Bioenergie-Modellregionen trafen sich in Bayreuth, um erstens aktuelle Praxiserfahrungen mit Bioenergie-Nahwärmenetzen auszutauschen,  zweitens sich über die Projekte der Bioenergieregion Bayreuth zu informieren und um drittens zu erörtern, ob und wie die Arbeit der Bioenergie-Regionen nach Ablauf der Förderperiode im Juli 2015 fortgesetzt werden kann.    

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Bild 1: Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe und Landrat Hermann Hübner mit Experten aus bundesdeutschen Bioenergie-Modellregionen und verschiedenen Forschungsinstituten, die sich in Bayreuth zu einem Bioenergie-Fachworkshop  einfanden.  

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Bild 2: Daniela Rätz eröffnete den Workshop. Sie ist in der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe FNR für die Projektbetreuung der 21 Bioenergie-Regionen verantwortlich. Die FNR ist die vom Bundeslandwirtschaftsministerium eingesetzte Organisation, die das Förderprojekt umsetzt.  

Bioenergieerzeugung  könnte noch wesentlich effizienter werden 
 „Etwa 50 Prozent der in deutschen Biogasanlagen bei der Verstromung von Biogas entstehenden Abwärme, wird derzeit noch nicht genutzt“, betonte Helmut Böhnisch von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg bei dem Fachworkshop. Für die Bioenergieregion Bayreuth entspricht dies nach Berechnungen des Regionalmanagements von Stadt und Landkreis Bayreuth der Wärmeenergie von vier Millionen Litern Heizöl, für ganz Deutschland von über einer Milliarde Litern. Diese Situation ist entstanden, weil der Gesetzgeber früher Biogasanlagen auch dann gefördert hat, wenn diese kein Konzept zur Nutzung jener Abwärme hatten, die in großen Mengen bei der Verstromung des Biogases anfällt. Inzwischen wurde die gesetzliche Grundlage zwar geändert, die Altanlagen dürfen jedoch weiterhin zu den ursprünglichen Förderkonditionen betrieben werden.  

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Bild 3: Anette Kurth aus der Bioenergieregion Mittelhessen berichtete über die Ergebnisse einer Wissensgemeinschaft benachbarter Bioenergieregionen, die sich mit dem Thema Wärmenetze auseinandersetzt.
  

Nahwärme als Ausweg aus der Energieverschwendung?
Möglichkeiten aufzuzeigen, wie dieses riesige Wärmepotenzial sinnvoll genutzt werden kann, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Bioenergieregionen. Das Problem ist aber, dass Abwärme häufig dort anfällt, wo sie nicht gebraucht wird, wie es zum Beispiel bei jenen Biogasanlagen der Fall ist, die weit außerhalb eines Dorfes liegen. Wenn jedoch mögliche Wärmeabnehmer, also zum Beispiel Privathaushalte oder gewerblich genutzte Immobilien, nicht zu weit entfernt sind, kann die Abwärme über ein Nahwärmenetz zu den Kunden geliefert und dort zur Gebäudeheizung genutzt werden. Zahlreiche derartige Projekte wurden in den Bioenergieregionen bereits umgesetzt, wodurch sich die Situation etwas gebessert hat. Über gute Beispiele aus Franken referierten Martin Kastner von der Energievision Frankenwald e.V. und Ludwig Heinloth von der Firma Enerpipe in Hiltpolstein. Und Hans Jürgen Hesse von der Weserbergland AG zeigte Möglichkeiten auf, wie in Industrie und Gewerbe biogene Wärme genutzt werden kann.    


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Bild 4: In einer moderierten Podiumsdiskussion wurden die Vorteile und Grenzen von Bioenergie-Nahwärmenetzen deutlich. Es diskutierten Helmut Böhnisch, Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (rechts) und Falk von Klopotek, hessenENERGIE (links). Die Moderation übernahm Dirk Schubert vom nova-Institut, das die Bioenergieregionen wissenschaftlich begleitet.
  

Bei dem Workshop der Bioenergieregionen wurde aber deutlich, dass auch Nahwärmenetze kein Allheilmittel sind. Falk von Klopotek, Bereichsleiter Biomassenutzung bei der hessenENERGIE GmbH, betonte, dass auch bei Wärmenetzen hohe Ansprüche an deren Effizienz gestellt werden müssten. Im Leitungsnetz geht nämlich auch bei guter Isolierung Wärme verloren. Diese Verluste sind umso größer, je länger das Netz und je weniger kompakt die Bebauung ist. Am effizientesten sind daher solche Netze, die kurze Leitungen bei gleichzeitig hohem Wärmebedarf aufweisen. Einzige Ausnahme: Wenn, wie im Fall von Biogasanlagen ohnehin überschüssige und anderweitig nicht nutzbare Abwärme anfällt, könnten auch höhere Leitungsverluste toleriert werden.    

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Bild 5: Sebastian Bohnet vom Deutschen Biomasseforschungszentrum DBFZ hielt einen Impulsvortrag zum Thema Abwärmenutzung in Biogasbestandsanlagen. Das DBFZ war für die fachliche Konzeption des Workshops verantwortlich.
    

Wie geht es mit den Bioenergieregionen nach Ablauf der Bundesförderung weiter?
Ein weiteres wichtiges Thema war die Fortsetzung der Projektarbeit in den Modellregionen nach Auslaufen der Bundesförderung im Juli 2015. Nur wenige Regionen werden danach als wirtschaftlich unabhängiges Unternehmen agieren können. Der Regelfall ist dagegen, dass die Projekt-, Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit der Regionen ohne kommunale oder staatliche Unterstützung nicht geleistet werden kann. Seitens des bisherigen Fördermittelgebers, dem  Bundeslandwirtschaftsministeriums, gibt es zum Thema Anschlussförderung aktuell noch keine positiven Signale, teilte Dr. Thorsten Gottschau von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. mit, die das Förderprojekt Bioenergieregionen betreut.  

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Bild 6: Dr. Thorsten Gottschau (FNR e.V.) informierte über aktuelle Entwicklungen bei der Projektförderung. Positive Signale zu einer Anschlussförderung mit Bundesmitteln konnte er nicht übermitteln.      

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Bild 7: Bei dem Workshop wurde auch diskutiert, wie die Arbeit der Bioenergie-Regionen nach Ablauf der Bundesförderung fortgesetzt werden kann.


Das Verstetigungskonzept der Region Bayreuth
Einen Sonderfall stellt die Region Bayreuth dar, da sich hier für den Landkreis Bayreuth die Chance bietet, künftig Bioenergieregion und Klimaschutz unter einem Dach zu vereinen. Der Bayreuther Landrat Hermann Hübner hob hervor, dass sich der Landkreis auch künftig für Klimaschutz und erneuerbare Energien engagieren werde. Aber auch der Bund müsse weiterhin Fördermittel für Bioenergieregionen bereitstellen, damit die erfolgreiche Arbeit fortgesetzt werden könne. Die Nutzung der erneuerbaren Energien biete für den ländlichen Raum auch eine große wirtschaftliche Chance. Denn noch immer flössen von den fast 290 Millionen Euro, die allein die Privathaushalte in der Bioenergieregion Bayreuth jährlich für Energie ausgeben, neunzig Prozent aus der Region ab. Mit erneuerbaren Energien, die in der Region erzeugt würden, könne sich dies in den nächsten Jahren ändern.    

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Bild 8: Der Bayreuther Landrat Hermann Hübner hob hervor, dass sich der Landkreis auch künftig für Klimaschutz und erneuerbare Energien engagieren werde. Aber auch der Bund müsse weiterhin Fördermittel für Bioenergieregionen bereitstellen.
 
Der Landkreis Bayreuth ist, weil er ein integriertes Klimaschutzkonzept erstellt hat, berechtigt, weiterhin Fördermittel für Personal- und Sachkosten im Bereich Klimaschutz zu erhalten. Die Förderquote beträgt hierfür 65%. Der Kreisausschuss des Landkreises Bayreuth hat am 15.10.2015 einstimmig beschlossen, diese Förderung in Anspruch zu nehmen, und auch weiterhin entsprechendes Personal im Landratsamt mit Klimaschutzaufgaben zu betrauen. Die Bioenergieregion Bayreuth erstreckt sich jedoch auch auf die Stadt Bayreuth und auf sieben Gemeinden des Landkreises Forchheims, die nicht in einer derart fördertechnisch günstigen Ausgangslage sind. Hier muss das Thema noch in den  politischen Gremien behandelt werden.  
Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Bioenergie für die Stadt Bayreuth. Erst kürzlich sei ein großes Biomethan-Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen worden. Auch die Universität Bayreuth sei ein wichtiger Motor für Bioenergie. Die Universität biete Studierenden zahlreiche Fächer, bei welchen Energie und Ökologie im Mittelpunkt stehen und kooperiere in mehreren Forschungsprojekten eng mit der Bioenergieregion Bayreuth. Im Jahr 2013 stammte 40 Prozent des in der  Stadt Bayreuth aus erneuerbaren Energien erzeugten Stroms aus Bioenergie.    

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Bild 9: Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Bioenergie für die Stadt Bayreuth  

Exkursion in die Bioenergieregion Bayreuth
Am letzten von drei Workshoptagen standen die Projekte der Bioenergieregion Bayreuth bei einem Exkursionsprogramm im Mittelpunkt. Auf besonderes Interesse stießen dabei das Energiekunstprojekt energy-in-art, mit dessen ein kreativer Motor der Energiewende in Gang kommen soll. Eines der energy-in-art Kunstwerke, die Skulptur Indikator von Hannes Neubauer,  steht auf einer Weide der Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Bayreuth. Dort war die komplette Palette der Bioenergie zu besichtigen: Von Hackschnitzelheizwerken und einer Biogasanlage bis hin zur pflanzenölbetriebenen Traktoren und einem Informationszentrum für Energiepflanzen. Ein weiteres Exkursionsziel war das Zentrum für Energietechnik an der Universität Bayreuth, an welchem unter anderem neue technische Lösungen zur Abwärmenutzung und Verfahren zur Optimierung der Vergärungsbiologie entwickelt werden.  

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Bild 10: Bei einem Besuch des Zentrums für Energietechnik (ZET) der Universität Bayreuth erhielten die Teilnehmer einen Einblick in die Forschungen zur Steigerung der Effizienz von Bioenergieanlagen sowie zur Optimierung der Mikrobiologie von Biogasanlagen. Im Bild eine vom ZET gebaute Anlage, die aus Abwärme Strom erzeugen kann.  

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Bild 11: Bernd Rothammel, Regionalmanager der gastgebenden Bioenergieregion Bayreuth stellte die Bayreuther Bioenergie- und Energiekunstprojekte vor, mit deren Hilfe Bioenergie umweltverträglich und innovativ ausgebaut und ein kreativer Motor der Energiewende in Gang kommen soll.    

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Bild 12: Eine Exkursion führte die Teilnehmer zu den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirkes Oberfranken. Dort ist die komplette Palette der Bioenergie zu besichtigen: Von Hackschnitzelheizwerken und einer Biogasanlage bis hin zur pflanzenölbetriebenen Traktoren und einem Informationszentrum für Energiepflanzen.  

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Bild 13: In einer Photovoltaik-Demonstrationsanlage der Landwirtschaftlichen Lehranstalten arbeiten sechs verschiedene Typen von Solarmodulen. Deren Leistung wird systematisch ausgewertet und verglichen. Potenzielle Käufer von Solaranlagen können sich so informieren, welche Module unter den klimatischen Bedingungen im Raum Bayreuth am effektivsten arbeiten - eine wichtige Hilfestellung bei der Kaufentscheidung.