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Fördermöglichkeiten beim Anbau alternativer Energiepflanzen

 

Für alternative Energiepflanzen gibt es folgende Fördermöglichkeiten 


1. Becherpflanze (Dauerkultur für 15 Jahre)

Fördermöglickeiten:

  • Eine Pflanzmaschine für das Setzen der Becherpflanze kann über Dr. Pedro Gerstberger von der Uni Bayreuth kostenlos ausgeliehen werden
  • Herr Gerstberger ist gerne bereit über den Anbau, die Möglichkeiten und Einschränkungen der Becherpflanze zu informieren 
  • Kontakt: Dr. Pedro Gerstberger, Uni Bayreuth, Lehrstuhl Pflanzenökologie, Email: gerstberger@uni-bayreuth.de, Tel.: 0921/552063

Informationen zur Becherpflanze 

 

2. Die Wildpflanzenmischung (Dauerkultur für 5 Jahre)

Fördermöglichkeiten:

  • Im laufenden Jahr werden die Kosten des Saatgutes (Förderung von Blühstreifen und -flächen) vom Bayerischen Jagdverbandes e. V. bis max. 300 €/ha gefördert. Interessierte Landwirte oder Jagdpächter können sich bei ihren Kommunen oder direkt bei dem für die Projektumsetzung beauftragten Büro landimpuls (Birgit Schreck oder Thomas Schwarz, Tel.: 09402/948280, info@landimpuls.de) melden.
  • Förderantrag als Download

Informationen zum Saatgut


Im Rahmen der Infoabends "Alternative Energiepflanzen" am 8.2.2012 in Pegnitz stellten zwei Experten, die sich seit längerem mit dem Energiepflanzenanbau beschäftigen, verschiedene neue Energiepflanzenarten vor. 

Werner Kuhn (Netzwerk Lebensraum Brache) präsentierte Ergebnisse aus seiner Arbeit mit einer Wildpflanzenmischung und Dr. Pedro Gerstberger sprach über die Möglichkeiten und Vorteile der Becherpflanze.

Kurzüberblick über die Inhalte der Vorträge vom 8.2.2012 in Pegnitz:


Forschungsergebnisse der Universität Bayreuth

Einer der Referenten des Informationsabends, der Botaniker Dr. Pedro Gerstberger vom Lehrstuhl für Pflanzenökologie der Universität Bayreuth beschäftigt sich im Rahmen eines Forschungsprojekts, finanziert von der Bioenergieregion Bayreuth und der Oberfrankenstiftung, seit längerem mit verschiedenen Staudenarten und erforscht, inwieweit diese als Alternative für den ertragreichen Mais bei der Biogaserzeugung eingesetzt werden könnten. In seinem Vortrag informierte er über seine bisherigen Ergebnisse. Demnach erreichen alternative Pflanzenkulturen wie die Becherpflanze, die Riesenmalve oder der Purpur-Dost ähnlich große Hektarerträge wie der Mais, ohne dass damit die negativen Folgen des Maisanbaus verbunden sind. Im Gegenteil: Dauerkulturen, die ganzjährig den Boden bedecken, führen dazu, dass viele Arbeitsgänge wie Pflügen, Grubbern, Säen, Pflanzenschutz, Mulchen etc. für 15 Jahre und mehr entfallen. Die Böden könnten sich wieder erholen, da durch die ganzjährige Bedeckung keine Erosion stattfindet, eine Humusanreicherung erfolgt und durch den Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz viele Pflanzen- und Tierarten geschont werden und damit die Artenvielfalt erhöht wird. Nur im ersten Jahr kann aufgrund der geringen Unkrautkonkurrenzfähigkeit auf chemischen und mechanischen Pflanzenschutz nicht verzichtet werden. Nach Dr. Gerstberger sind deshalb Dauerkulturen mit den beschriebenen Pflanzenarten auch ökonomisch eine echte Alternative für Bioenergie-Landwirte, zumal diese Wildpflanzen züchterisch bisher noch nie bearbeitet wurden, also auch hier noch Potenziale vorhanden wären.

 

Energie aus Wildpflanzen

Der zweite Referent des Abends, Herr Werner Kuhn, ist einer der Akteure im „Netzwerk Lebensraum Brache“. Das Projekt "Energie aus Wildpflanzen" des „Netzwerkes Lebensraum Brache" zielt darauf ab, negative Auswirkungen eines intensiven Monokulturanbaus bei der Biogasproduktion durch die Verwendung von Wildpflanzenarten zu verhindern und Landwirten gleichzeitig eine ökonomisch interessante Alternative zu den derzeit gängigen Bioenergiepflanzen zur Verfügung zu stellen. Kuhn erläuterte zu Beginn seines Vortrages, dass die bisherigen, einjährigen Anbausysteme für die Biogaserzeugung – wie etwa der Mais - mit hoher Intensität betrieben werden. Dies führe zu Diskussionen über mögliche Folgewirkungen für den Erhalt der Artenvielfalt sowie den Schutz von Böden und Gewässern.

Gerade die Biogasproduktion eröffnete jedoch die Möglichkeit - anders wie bei der Nahrungs-und Futtermittelproduktion - unterschiedlichste Pflanzenarten und Sorten in Reinsaat und  in Mischung anzubauen und den gesamten Aufwuchs an die Methanbakterien zu verfüttern. Durch diese besondere Eigenschaft können unterschiedliche Anbausysteme mit alten und neuen Kulturarten aus einjährigen Pflanzen wie Sonnenblumen, Malven, Steinklee usw. aber auch mehrjährige Pflanzen wie die Becherpflanze, Virginische Malve, Flockenblume, Rainfarn und Beifuß als Einzelarten und in Mischungen zum Einsatz kommen. Die daraus resultierenden Anbausysteme mit unterschiedlichen Ernte- und Anbauterminen sowie die Neugestaltung von Fruchtfolgen führten zu einer Veränderung bisher eintöniger Agrarlandschaften.

Mehrjährige Anbausysteme tragen laut Kuhn eindeutig zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt in der Kulturlandschaft bei. Die ganzjährige Bodenbedeckung schütze vor Erosion durch Wind und Wasser, mindere die Nährstoffauswaschung, erhielte den Humus und sei für viele Tierarten ein wertvoller  Lebensraum. Mehrjährige Anbausysteme  benötigten nur wenig oder gar keine Pflanzenschutzmittel. Besonders mehrjährige Anbausysteme aus Wildpflanzen böten dabei innovative Ansätze. In Forschungsprojekten würden bereits neue Wege aufgezeigt,  wie die Energieerzeugung aus Biomasse enger mit den Zielen des Landschafts-, Natur- und Umweltschutzes verknüpft werden könne. Ein weiterer Vorteil der Wildpflanzenmischung sei, dass nur einheimische Wildpflanzen und erprobte Kulturpflanzen wie etwa die Sonnenblume verwendet würden. Dadurch bestünde keine Gefahr der ungewollten Ausbreitung von nicht heimischen Pflanzen.




Die Vorteile der alternativen Pflanzen: 

 

  •  Förderung des Saatguts der Wildpflanzenmischung durch den Bayerischen Jagdverband mit bis zu 300 €/ha.

     

  •  1 x säen und mind. 5 Jahre nutzen  (Wildpflanzenmischung)

     

  •  1 x pflanzen und mind. 15 Jahre nutzen (Becherpflanze)

     

  •  verringerter Aufwand für Düngung und Pflanzenschutz

     

  •  verminderter Bodenabtrag durch ganzjährige Bodenbedeckung

     

  •  geringere Bodenverdichtung

     

  •  Vermeidung von Arbeitsspitzen im Betrieb durch längere Erntezeitspanne

     

  •  positiver Nutzen für Imker und Jäger

     

  •  zusätzliche Lebensräume für Wildtiere und Pflanzen

     

Die Veranstaltung ist Teil einer Initiative der Bioenergieregion Bayreuth, die gemeinsam mit dem Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz und dem Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken nach Wegen sucht, Bioenergie umweltgerecht und konfliktfrei zu nutzen.

Hierzu wurden in den Modellgemeinden Creußen, Gößweinstein, Igensdorf, Pegnitz, Plech und Pottenstein Bioenergie-Kulissenpläne erstellt, die eine Planungshilfe für eine sinnvolle Nutzung von Bioenergie darstellen. Darauf aufbauend werden jetzt zwei Modellprojekte angestoßen, eines davon ist der Anbau alternativer Energiepflanzen, um eine Alternative zum Maisanbau anzubieten. Zwar weist Mais in Bezug auf seine Nutzung in Biogasanlagen ein großes Energiepotenzial auf, mit dem in den letzten Jahren enorm angestiegenen Maisanbau können jedoch auch negative Folgen der Intensivlandwirtschaft verbunden sein: Bodenerosion, Nährstoffabschwemmung, Humusverlust, eine Verringerung der Artenvielfalt und vor allem eine gravierende Veränderung des Landschaftsbildes. Deshalb wollen die Bioenergieregion Bayreuth und das Wirtschaftsband A9 - Fränkische Schweiz  sinnvolle Alternativen zum Mais anbieten, die einerseits in Biogasanlagen gute Gaserträge liefern und andererseits die biologische Vielfalt fördern.