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Forschungsprojekt zur Holznutzung im koreanischen Partnerlandkreis des Landkreises

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Bayreuth   Seoul / Bayreuth - In Goseong, dem südkoreanischen Partnerlandkreis des Landkreises Bayreuth sollen künftig nach dem Vorbild der Bioenergieregion Bayreuth die erneuerbaren Energien verstärkt ausgebaut werden. In ein entsprechendes Forschungsprojekt, bei welchem im Partnerlandkreis die Nutzung von Holz für die Energieversorgung voran gebracht werden soll, ist seit kurzem die Bioenergieregion Bayreuth eingebunden. Bernd Rothammel, Regionalmanager der Bioenergieregion, war im Zusammenhang mit dem World Wood Day eingeladen, in Korea verschiedene Möglichkeiten der Bioenergienutzung vorzustellen.  

Beim Word Wood Day wird jedes Jahr die große Bedeutung von Wald für das menschliche Überleben und die menschliche Kultur gefeiert. Begleitend stellt die World Wood Day Foundation Gelder für Forschung in diesem Gebiet bereit. Dieses Jahr wurde unter den Forschungsprojekten ein Projekt der Hanns-Seidel-Stiftung Korea zu “Wald und Kultur im Landkreis Goseong” ausgewählt, dem Partnerlandkreis der Landkreises Bayreuth.

Energy-in-art auch in Korea

Das geplante Forschungsvorhaben soll zu einem Entwicklungsplan für den Landkreis Goseong führen, einem geteilten Gebiet an der innerkoreanischen Grenze. Dabei wird unter anderem ein Konzept für die regenerative Energieversorgung eines traditionellen Dorfes auf Basis von Holzenergie entwickelt. Außerdem soll durch die Errichtung von energy-in-art Kunstwerken nach dem Vorbild der Bioenergieregion Bayreuth der kulturelle Aspekt der Holznutzung betont werden. Und schließlich wird es eine grenzübergreifende Perspektive für Aufforstungen in Nordkorea geben, was dem Projekt eine humanitäre Dimension verleiht.
  
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Bild 1: Teilnehmer des Workshops zur Energieholznutzung im Partnerlandkreis Goseong. 5. bis 8. Von links:  Landrat Seung Keun Yoon,  Bernd Rothammel (Bioenergieregion Bayreuth), Dr. Bernhard Seliger (Hanns-Seidel-Stiftung Korea), Dr. Nial Moores (BirdsKorea)  

Nationales Aufforstungsprojekt sichert Zukunft der Wälder

Schon immer war Holz ein wichtiges Material im traditionellen koreanischen Leben - als Baumaterial, Hauptquelle von Heizenergie und zur Herstellung von Agrar- und Fischereiwerkzeugen. Allerdings führten hunderte Jahre der Misswirtschaft in den Wäldern und später der verheerende Koreakrieg in vielen Fällen zum Verschwinden der Wälder. Dieser Trend wurde in Südkorea in den 1960er Jahren gestoppt. In einer immensen nationalen Anstrengung wurde die Wiederaufforstung der degenerierten Wälder bewerkstelligt. Heute, nach fünfzig Jahren erfolgreicher Aufforstung, sind 60 Prozent der Landesfläche wieder bewaldet. Zum Vergleich: In Deutschland sind es ca. 30 Prozent.  

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Bild 2: Sechzig Prozent der Landesfläche Südkoreas sind mit Wald bedeckt.

Zur  Energieerzeugung wird Holz jedoch kaum eingesetzt. Falls Energiepreise steigen, könnte sich dies bald ändern, weshalb nachhaltige Nutzungskonzepte gefragt sind.  

Wälder zwischen Ökologie und Ökonomie

Energieholz aus dem Wald könnte nach Einschätzung der Bioenergieregion Bayreuth einen relevanten Anteil des koreanischen Energiebedarfs abdecken. Die Holznutzung muss dabei unter dem Aspekt der nachhaltigen Forstwirtschaft erfolgen, damit die ökologischen Funktionen der Wälder nicht gefährdet werden, insbesondere ihre Rolle für Wasserhaushalt, Klimaschutz und Artenvielfalt.  

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Bild 3: Dr. Nial Moores, Direktor der Vogelschutzorganisation Birdskorea, beobachtet seit über zehn Jahren die koreanische Vogelwelt und hat dramatische Veränderungen festgestellt, die er auf den Klimawandel und menschliche Eingriffe zurückführt.
  

Hierauf wies auch Dr. Nial Moores, Direktor der koreanischen Vogelschutzorganisation Birdskorea eindringlich hin. Birdskorea ist neben der Bioenergieregion Bayreuth die zweite Institution, die das Forschungsprojekt begleitet. Moores dokumentiert seit über zehn Jahren die Veränderungen in der koreanischen Vogelwelt. Die Vögel seien, so Moores, ein Indikator für den Zustand der verschiedenen Ökosysteme. Die festgestellte Abnahme der Artenvielfalt bei Vögeln sei daher ein Alarmsignal, das ernst genommen werden müsse. Bedingt durch Klimawandel und menschliche Eingriffe hat Birdskorea in den vergangenen Jahren dramatische Veränderungen des Artenspektrums festgestellt.  

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Bild 4: Goseong, der Partnerlandkreis des Landkreises Bayreuth zählt zu den touristisch attraktivsten Regionen Koreas. Über geführte Touren sollen die Besucherströme kanalisiert werden, damit andernorts wertvolle Biotope ungestört bleiben.  

Geopark-Ranger als Vorbild

Im Rahmen des Forschungsprojekts erörterten Dr. Nial Moores, Bernd Rothammel und Dr. Bernhard Seliger, der Leiter des koreanischen Büros der Hanns-Seidel-Stiftung, mit den Experten des Landkreises Goseong, wie im Rahmen von Modellprojekten ökologische Funktionen des Waldes mit dessen Nutzung als Ressource für Energie- und Bauholz sowie mit touristischer Nutzung in Einklang gebracht werden können. Ein Projekt soll beispielsweise einen bestehenden Naturlehrpfad durch Themenführungen aufwerten, bei welchen Besuchergruppen Flora und Fauna erleben können. Hierdurch sollen Besucherströme kanalisiert und wichtiges Umweltwissen durch direktes Naturerlebnis vermittelt werden. Die Geopark-Ranger des Naturparkes Bayern-Böhmen können hierbei als erfolgreiches Projektvorbild Pate stehen. Modellprojekt klimafreundliches Hotel Ein weiteres Modellvorhaben ist die Energieversorgung von größeren Hotelanlagen, die es in der touristisch sehr attraktiven Region in Hülle und Fülle gibt. Die Anlagen sind energetisch meist sehr schlecht isoliert und regenerative Energien kommen kaum zum Einsatz.  

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Bild 5: Hotelanlagen wie diese sind häufig im touristisch attraktiven Partnerlandkreis Goseong und bieten Familien günstige Urlaubskonditionen. Allerdings ist die Gebäudehülle vieler Hotels meist schlecht isoliert und erneuerbare Energien werden kaum genutzt. Ein Modellprojekt soll hier Abhilfe verschaffen.  

Lediglich ein Prozent des koreanischen Energiebedarfs wird mit erneuerbaren Energien gedeckt. Der Pro-Kopf-Energieverbrauch ist mehr als 30 Prozent höher als in Deutschland. Erforderlich wäre daher als erster Schritt eine energetische Gebäudesanierung der jeweiligen Hotelanlage. Der Restenergiebedarf soll dann über Photovoltaikanlagen und Holzhackschnitzelheizwerke gedeckt werden. Letztere könnten aus Restholz der umgebenden Wäldern gewonnen werden. Dieses Modell wird in der Region Bayreuth seit vielen Jahren mit Erfolg praktiziert. Eine Übertragung auf Korea ist jedoch mit einigen Hürden verbunden. Die Wälder sind durch Forstwege weniger gut erschlossen, und die Infrastruktur zur Hackschnitzelproduktion und –nutzung muss erst noch aufgebaut werden. Ein weiteres Hemmnis bilden die niedrigen Strompreise in Korea, die dazu führen, dass sich Investitionen in Gebäudesanierung weniger schnell rechnen. Die Bioenergieregion Bayreuth kann hierbei Praxiserfahrungen aus vergleichbaren Projekten in Deutschland weitergeben und Experten vermitteln, wodurch einige der Hürden leichter übersprungen werden können.  

Dialog mit koreanischen Umweltorganisationen

Auch koreanische Umweltverbände sind sehr an der Umsetzung der Energiewende in Deutschland interessiert und luden Regionalmanager Bernd Rothammel zu einem Vortrag über die Projekte der Bioenergieregion Bayreuth ein. 
 
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Bild 6: Regionalmanager Bernd Rothammel (links) stellte in Seoul die Projekte der Bioenergieregion Bayreuth bei einem Erfahrungsaustausch mit Vertretern von acht verschiedenen Umweltorganisationen vor.  

Bei dem anschließenden Erfahrungsaustausch wurde deutlich, dass der Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland und der Ausbau der erneuerbaren Energien von den Umweltorganisationen als beispielhaft angesehen wird.  Während in Deutschland der Ausbau von erneuerbaren Energien jedoch sehr dezentral erfolgt, setzt Korea auch auf Großprojekte wie das weltweit größte Gezeitenkraftwerk Sihwa, das den Stromverbrauch einer Stadt mit einer halben Million Einwohnern decken kann.

Treffen zweier Welten

Das Thema Energiewende stand auch im Mittelpunkt eines Rundfunkinterviews, welches Rothammel für die Sendung „Treffen zweier Welten“ des koreanischen Senders KBS World Radio gab, der ein deutschsprachiges Programm und unter http://world.kbs.co.kr/german/ eine deutschsprachige Internetseite betreibt.  

Bayreuther Platz in Korea

Die Landkreise Bayreuth und Goseong unterhalten seit 2011 eine kommunale Partnerschaft, die sich ausdrücklich auch auf einen Erfahrungsaustausch im Bereich Klimaschutz und erneuerbare Energie erstreckt.  

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Bild 7: Im Bau befindet sich der Bayreuther Platz im südkoreanischen Landkreis Goseong, der mit einer Skulptur und einer Infotafel auf die Partnerschaft mit dem Landkreis Bayreuth hinweist.

Bereits mehrfach waren koreanische Delegationen zu Fachexkursionen in der Region Bayreuth zu Gast.  Als sichtbares Zeichen der Partnerschaft wird aktuell im koreanischem Partnerlandkreis ein Bayreuther Platz gestaltet, in dessen Zentrum eine Skulptur und eine Infotafel auf die Partnerschaft verweisen.