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Wundenbacher Klimaschützer

Ruckdeschel
Bernd und Werner Ruckdeschel, die Besitzer der Biogasanlage,
die Wundenbach mit klimafreundlicher Wärme versorgt.

Das kleine Dorf Wundenbach in der Nähe von Gefrees (Lkr. Bayreuth) hat gezeigt wie durch Gemeinschaftsinitiative Geld gespart, das Klima geschützt und die Energieverschwendung gestoppt werden kann. Im Mittelpunkt dieser Initiative steht die Biogasanlage von Werner und Bernd Ruckdeschel.

In der Anlage steht – wie bei den meisten Biogasanlagen - die Erzeugung von Strom im Mittelpunkt. Dabei entsteht quasi als „Abfallprodukt" auch Wärmeenergie. Diese Wärme wird zu ungefähr 30 % für die Beheizung des Fermenterbeckens benötigt. Der Rest der Wärme bleibt oft ungenutzt. Auf ganz Bayern bezogen hätte die verloren gegangene Wärme im Jahr 2010 ausgereicht, um 122.000 Haushalte beheizen zu können. Das Hauptproblem bei der Abwärmenutzung ist meist der abgelegene Standort von Biogasanlagen, der die sinnvolle Verwendung der Wärme vor Ort häufig erschwert.

Eine Möglichkeit, die Wärme sinnvoll zu nutzen, ist die Beheizung von Nachbarhäusern über ein Nahwärmenetz. Für diese Form der Abwärmenutzung entschieden sich auch Werner und Bernd Ruckdeschel. Ihre 2010 errichtete Biogasanlage versorgt seit September 2011 fast alle Wohnhäuser und das Feuerwehrhaus in Wundenbach mit klimafreundlicher Wärme.

Nachdem die Biogasanlage mit einer Leistung von 190 kW (el) im Dezember 2010 ans Netz ging, kamen die Dorfbewohner aus Wundenbach auf die Familie Ruckdeschel zu und schlugen ihr die Errichtung eines Nahwärmenetzes vor. Mit ihren bis dahin getroffenen Vorplanungen überraschten sie die Familie Ruckdeschel, die frühestens im Jahr darauf an weitere Baumaßnahmen gedacht hatte. Doch die Familie Ruckdeschel war sofort von der Idee überzeugt und war bereit, die nächste Baustelle auf dem Hof zu eröffnen. In einem kleinen Dorf wie Wundenbach spricht sich so etwas Neues schnell herum und so konnte bereits im Januar auf einer Dorfversammlung über den Bau eines Nahwärmenetzes abgestimmt werden. Im Februar wurden verbindliche Absprachen getroffen und der Verein Nahwärmenetz Wundenbach e.V. gegründet. Bereits im März wurde mit dem Verlegen des Wasserleitungssystems begonnen. Alle im Dorf halfen mit. Morgens baggerte der ortsansässige Bauunternehmer Weber die Gräben auf, nachmittags wurden die Leitungen gelegt und abends wurde wieder aufgeschüttet. Durch die tatkräftige Unterstützung aller wurde so Abschnitt für Abschnitt des 890 Meter langen Leitungssystems binnen weniger Wochen fertig gestellt. Bereits im September konnte der letzte Hausanschluss gelegt werden.

Dank des gemeinsamen Engagements aller Wundenbacher stehen seit September 2011 die Ölheizungen in den Kellern still. Um bei einem eventuellen Ausfall der Biogasanlage nicht im kalten zu sitzen, bleiben die Einzelheizungen der Wohnhäuser aber vorerst erhalten.

Ohne das hohe Engagement aller Dorfbewohner und insbesondere die Organisation von Werner Ruckdeschel, wäre diese Aufgabe in der kurzen Zeit nicht möglich gewesen. Jetzt im Winter kommt die erste Bewährungsprobe des Nahwärmenetzes, doch alle sind zuversichtlich, dass Wundenbach mit dem Nahwärmenetz bestens auf einen eisigen Winter eingestellt ist. Doch Bernd Ruckdeschel hat noch weiter gedacht und so wurde das Gebäude, in dem der Generator untergebracht ist, so gebaut, dass es sich für die Errichtung einer Solaranlage eignet.
 

BGA Wundenbach
Die Biogasanlage in Wundenbach