Home » Klima & Umwelt » Sparsame Leuchtende Vorbilder »

Niedrigenergiehaus in Holzbauweise in Bayreuth

Für die Bauherren kam für einen Neubau wegen der guten bauphysikalischen Eigenschaften (gute Dämmeigenschaften bei geringer Wandstärke), der ökologischen Überzeugung (Holz als CO2-Speicher und nachwachsender Baustoff) und der gesundheitlichen Aspekte (Feuchtigkeitsregulierende und gesunde Wohnatmosphäre) nur ein Holzhaus in Frage. Dieses wurde so auf dem Grundstück platziert, dass der natürliche Sonnenlauf und damit die passiven Energiegewinne durch die Sonneneinstrahlung gut genutzt werden können. 
Das Grundstück wurde bewusst nicht in einem Neubaugebiet gewählt, sondern in bereits bestehender Bebauung, um zur Verdichtung der Stadt und nicht zum weiteren Flächenverbrauch beizutragen. Deshalb konnte zudem der Wunsch nach einer guten Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr besser gewährleistet werden. 


Einfamilienhaus aus Holz in Bayreuth (Bildrechte bei IMMOWERT GmbH)

Der Bauleiter bzw. das Bauunternehmen sowie die zusätzlich benötigten Handwerksbetriebe sollten aus der Region stammen. Ebenso wichtig war der Nachweis über die Herkunft und die Herstellung der Gebäudehülle durch den Holzhausbauer (deutsches Holz und Hersteller) und qualitätssichernde Maßnahmen wie eine TÜV-Abnahme, ein Blower-Door-Test sowie die Erfüllung der RAL-Gütekriterien. 

Das Haus ist ein KfW 60 Haus, d. h. der jährliche Primärenergiebedarf beträgt weniger als 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr. Berechnungen haben einen Energiebedarf von etwa 48 kWh/m² im Jahr ergeben.

(Bildrechte bei IMMOWERT GmbH) Die Außenwand hat eine Gesamtstärke von 31cm. Diese setzt sich (von außen nach innen) zusammen aus 10cm Blockbohlen, einem 12cm Holzrahmenwerk gefüllt mit Flachs/Hanf zur Wärmedämmung und einer diffusionsoffenen Dampfbremse. Dahinter befindet sich eine 6cm dicke Installationsebene, die in den nicht benötigten      Zwischenräumen ebenfalls mit Flachs gedämmt ist. Die Innenseite ist anschließend mit 12,5mm starken Fermacell Gipsfaserplatten verschalt. Nach Aussagen der Bauherren würden sie im Nachhinein betrachtet für den Baustoff Fermacell nach Alternativen suchen.

Die Kelleraußenwand wurde aus 36,5cm starken porosierten Leichhochlochziegeln und Wärmedämmmörtel gemauert. Darum befindet sich im Erdreich eine 6cm dicke Perimeterdämmung mit äußerer Schutzschicht gegen mechanische Beschädigung. Die Dämmung des Daches besteht aus einer 22mm starken Schicht aus Holzfaserdämmplatten und einer 24cm Aufdachdämmung aus Zellulose.

Der Warmwasserbedarf wird in einem 300l Brauchwarmwasserspeicher durch 2 Solarmodule von CosmoSol mit je 5 m² gewährleistet. Zusätzlich wurde eine Pelletzentralheizung mit 14kW eingebaut. Diese wird durch ein Vakuumsaugsystem aus einem 4t Gewebetank gespeist. Die eingesetzten Technologien zur Nutzung alternativer Energiequellen zeigten sich im täglichen Betrieb bisher als sehr zuverlässig und dem Komfort herkömmlicher Systeme in nichts nachstehend. Lediglich bei der Solarthermieanlage kann es in der Übergangszeit (d.h. Heizung läuft und Sonneneinstrahlung liefert schon Hitze) zu einem Ab-Blasen der Solarflüssigkeit kommen, da das Warmwasser nicht verbraucht werden kann und so eine Überhitzung des Systems vermieden wird. Ebenso kann dies in sehr heißen Sommerperioden passieren, wenn man im Urlaub ist und das solarthermisch erzeugte Heißwasser nicht verbraucht wird. Dann ist jedes Mal die Leistung eines Sanitär-/Heizungsinstallateurs notwendig, um die Solarflüssigkeit zurück in den Kreislauf einzupumpen.

Als zusätzliche Maßnahme wurde eine 6 m³ Regenwasserzisterne aus Stahlbeton installiert die Wasser für die Gartenbewässerung und die WC-Spülung bereitstellt.

Ursprünglich war noch eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung angedacht, da die Dachneigung von 45° und die Ausrichtung des Hauses nach Süden dafür ideal sind. Diese Investition konnte durch die erforderliche Fremdfinanzierung jedoch nicht wirtschaftlich betrieben werden. Als weitere Energiesparmaßnahme wollten die Bauherren sich einen Anforderungsknopf für Heißwasser installieren. Dieser sollte den Warmwasserverbrauchswunsch per Knopfdruck an die Umwälzpumpe signalisieren, damit diese Heißwasser bereitstellen kann. Davon wurde jedoch abgeraten, da diese Technik in der Praxis angeblich nicht umsetzbar sei.
Der Wintergarten auf der Südseite war zunächst ohne Beschattung geplant. In der Praxis hat sich jedoch herausgestellt, dass – trotz Verglasung mit U-Wert 0,8 – dieser sich zu sehr erhitzte. Beschattung war jedoch bereits vorgesehen und wurde nach dem ersten Sommer angebracht.
Durch die Bauweise als Holzhaus ist zu beachten, dass ein ausreichender Wetterschutz durch entsprechende Überstände und eine jederzeit gewährleistete Belüftung der außen liegenden Holzbauteile realisiert wird. Dies stellte eine gewisse Herausforderung bei der Anlage der Terrasse dar. Diese wurde schließlich ebenfalls als Holzkonstruktion ausgeführt.